Wechseln zu: Navigation, Suche

Minimalismus: Ist weniger mehr?: Unterschied zwischen den Versionen

Wiener­WissensWelt

Drehscheibe für Bildung, Forschung und Wirtschaft.

Zeile 1: Zeile 1:
 
{{ArticleTemplate
 
{{ArticleTemplate
|ArticleTitle=Minimalismus: Ist weniger mehr?
+
|ArticleTitle=Minimalismus und der „Cult of Less“: Ist weniger mehr?
 
|ArticlePicture=Chair-1845270_640.jpg
 
|ArticlePicture=Chair-1845270_640.jpg
 
|ArticlePictureAltText=Couch und Couchtisch mit Buch und Blume
 
|ArticlePictureAltText=Couch und Couchtisch mit Buch und Blume
Zeile 8: Zeile 8:
 
{{#ev:youtube|https://youtu.be/CyKmpyYy14k}}
 
{{#ev:youtube|https://youtu.be/CyKmpyYy14k}}
 
Quelle: [https://www.youtube.com/ YouTube.com]. Rechte siehe: [[MediaWiki:Licenses|Lizenzen]].
 
Quelle: [https://www.youtube.com/ YouTube.com]. Rechte siehe: [[MediaWiki:Licenses|Lizenzen]].
 
 
|Tags=Konsum, Green, Happiness,
 
|Tags=Konsum, Green, Happiness,
 
|ScienceFields=Psychologie, Psychologie, Soziologie, Soziologie
 
|ScienceFields=Psychologie, Psychologie, Soziologie, Soziologie
Zeile 18: Zeile 17:
 
|SourceLinkExternal=http://othes.univie.ac.at/20712/1/2012-05-16_0706457.pdf
 
|SourceLinkExternal=http://othes.univie.ac.at/20712/1/2012-05-16_0706457.pdf
 
|ArticleSourceBiblioCopyPaste=Grießhaber, Sheila (2012): „Der ‚Cult of Less‘ und die Eliminierung des Materiellen Zu Motiven, Werten und Normen im digitalen Minimalismus“ .
 
|ArticleSourceBiblioCopyPaste=Grießhaber, Sheila (2012): „Der ‚Cult of Less‘ und die Eliminierung des Materiellen Zu Motiven, Werten und Normen im digitalen Minimalismus“ .
 +
|ArticleShortText=„Minimalismus“ gibt es nicht nur nur in Kunst oder Architektur. Für eine mehrheitliche junge, digitalisierungsaffine Gruppe ist Minimalismus ein Lebensstil, der mehr Freiheit und weniger Stress verspricht. Geprägt von dem deklarierten und bewussten Verzicht auf ein „zu Viel“ an materiellem Besitz, soll der Weg für ein erfülltes Daseins geebnet werden.
 +
|ArticleText=====„Befreiung“ nur durch Überfluss möglich====
 +
Auf Youtube und Blogs berichten Minimalist*innen über die Vorteile ihres leichten Lebens – und setzen sich damit auch immer wieder massiver Kritik aus. Denn das „Abwerfen“ von Ballast setzt voraus, dass mehr als genug davon vorhanden ist. Ist Minimalismus nur eine Bewegung der Überflussgesellschaft?
 +
 +
====Verzicht-Bewegungen wissenschaftlich erforscht====
 +
Mit diesen Themen beschäftigen sich wissenschaftliche Arbeiten rund um Minimalismus. Sheila Greißhuber verfasste „Der ‚Cult of Less‘ und die Eliminierung des Materiellen“. Darin wirft sie die Frage auf, inwiefern die Gesellschaft unserer Zeit Lebensstile des Verzichts fördert. Das Fazit: Verzicht ist kein Phänomen der Moderne. Berühmte Kyniker kehrten materiellen Gütern bewusst den Rücken zu. Für Diogenes von Sinope bedeutete das ein Leben in einem Fass. 
 +
 +
====100 Dinge – oder weniger====
 +
Ganz ohne Besitz kommen Minimalist*innen heute meist nicht aus. Ein „Ziel“ ist für manche, maximal 100 Dinge zu besitzen oder nur so viel, wie in einen kleinen Koffer passt. Für diesen Lebensstil lassen sich im Internet viele „Vorbilder“ finden, über die auch Grießhuber berichtet.
 +
 +
====Konsumkritik? Jein.====
 +
Bekannte Minimalist*innen weisen darauf hin, dass weniger materieller Besitz die Umwelt entlasten kann. Schließlich erfordert die Herstellung von Produkten Ressourcen. Ökologisch und ethisch korrekter Konsum wird befürwortet, z.B. über den Kauf von Second-Hand Produkten.
 +
 +
Minimalismus bedeutet nicht notwendigerweise Verzicht auf Konsum. Es wird wohl gekauft, aber eben nur das, was persönlich bereichert. Das können die neuesten technischen Geräte sein, Make-up oder Designerhandtaschen. Im Vordergrund steht, (relativ) wenig zu besitzen. Wer häufig konsumiert, muss einfach häufiger ausmisten.
 +
 +
====Das Versprechen von Mobilität und Flexibilität====
 +
Ein Vorteil, der für wenig Besitz spricht: Wer all seine Sachen in einem Handgepäcksstück unterbringt, ist extrem flexibel und mobil. Ortsunabhängigkeit ist einfacher umsetzbar, wenn keine Bindung an eine Wohnung oder Haus voll persönlichen Dingen besteht.
 +
 +
====Minimalismus: Nur für Singles in der IT Branche?====
 +
Kelly Sutton ist der Gründer der Website „Cult of Less“. Er war alleinstehend, arbeitete von seinem Laptop aus, verkaufte seinen Besitz und bloggte darüber. Das ermöglichte ihm ein mobiles Leben ohne festen Wohnsitz. Mittlerweile hat sich das geändert: „Jetzt habe ich eine Freundin und ein Waffelweisen, also sind wir uns alle einig, dass dieses Projekt jetzt vorbei ist.“ Nicht jeder Job und jede Lebenssituation erlauben es, kontinuierlich zu reisen und aus einem Koffer zu leben.
 +
 +
====Besitz ist vorhanden – aber digital==== 
 +
Sutton ist ein Beispiel dafür, dass Minimalist*innen durchaus Besitz erwerben und behalten. Der Unterschied: Viele der „Dinge“, die sie anhäufen, gehören der digitalen Sphäre an. Statt einer Bücherwand voller dicker Schmöker oder einer CD-Kollektion inklusive Stereoanlage haben sie ein eBook und einen Laptop. Mit ausreichend Speicherplatz, versteht sich.
 +
 +
====Minimalismus als Chance für Nicht-Minimalist*innen?====
 +
Minimalismus in dieser Form wäre demnach vor der Digitalisierung nicht möglich gewesen, findet auch Grießhuber. Es geht nicht um Verzicht oder gar Askese, sondern um den Zugriff auf moderne Technologien. Insofern entspricht Minimalismus bzw. der „Cult of Less“ den Normen unserer Zeit. Selbstverwirklichung und ein individueller Lebensstil stehen im Vordergrund.
 
|InternalAuthor=me
 
|InternalAuthor=me
 
|InternalAuthorColour=blue
 
|InternalAuthorColour=blue
 
}}
 
}}

Version vom 31. Mai 2017, 16:14 Uhr



WISSEN

Minimalismus und der „Cult of Less“: Ist weniger mehr?

Couch und Couchtisch mit Buch und Blume

Pixabay, CC_0 Copyright siehe: Lizenzen.

Medien

Quelle: YouTube.com. Rechte siehe: Lizenzen.

Schlagworte

 

Bibliographische Information

 

Basiert auf:

  • Link zur Hauptquelle dieses Artikels. Grießhaber, Sheila (2012): „Der ‚Cult of Less‘ und die Eliminierung des Materiellen Zu Motiven, Werten und Normen im digitalen Minimalismus“ .