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WISSEN

Quelle: Pariser-Beware online filter bubbles - Transkript

Video Capture des Vortrages

Media

Quelle: Ted.com. Rechte siehe: Lizenzen.

Bibliographische Information

Verantwortlich für den Artikeltext: [ Gernot Hausar (-gh) ]

Schlagworte

 


Transkript und Untertitel (Deutsch)

Übersetzt von Judith Funke, überprüft von Lex Asobo.

 

0:15
Mark Zuckerberg wurde von einem Journalisten zum News Feed bei Facebook befragt. Der Journalist fragte ihn, "Warum ist er so wichtig?" Und Zuckerberg sagte, "Ein Eichhörnchen, das in Ihrem Vorgarten stirbt kann für Sie jetzt gerade relevanter sein als sterbende Menschen in Afrika." Und ich möchte darüber sprechen wie ein Internet aussähe, das auf dieser Auffassung von Relevanz basiert.

 

0:40
Während meiner Jugend in einer sehr ländlichen Gegend in Maine war das Internet für mich etwas völlig anderes. Es war eine Verbindung zur Welt. Etwas, das uns alle miteinander verbinden würde. Und ich war sicher, dass es großartig für die Demokratie sein würde und für unsere Gesellschaft. Aber es gibt eine Verschiebung darin wie Informationen online fließen, und zwar eine unsichtbare. Und wenn wir nicht aufpassen, könnte sie ein echtes Problem werden. Mir ist sie zuerst an einem Ort aufgefallen, an dem ich viel Zeit verbringe — meiner Facebook-Seite. Ich bin politisch progressiv — überraschenderweise — aber ich habe mich immer bemüht, Konservativen zu begegnen. Ich mag es, zu hören worüber sie nachdenken; Ich mag es, zu sehen was sie verlinken; Ich mag es, ein-zwei Dinge zu lernen. Also war ich überrascht, als ich eines Tages gemerkt habe dass die Konservativen aus meinen Facebook-Neuigkeiten verschwunden waren. Wie sich herausstellte hatte Facebook registriert, auf welche Links ich klickte, und hatte festgestellt, dass ich mehr auf die Links meiner liberalen Freunde klickte als auf die meiner konservativen Freunde. Und ohne dass ich gefragt wurde wurden sie aussortiert. Sie verschwanden.

 

1:54
Facebook ist nicht der einzige Ort an dem das Netz auf diese unsichtbare, algorithmische Weise redigiert wird. Google macht das gleiche. Wenn ich nach etwas suche, und Sie nach etwas suchen, jetzt gerade, genau gleichzeitig, können wir sehr unterschiedliche Ergebnisse bekommen. Sogar wenn man ausgeloggt ist, hat mir ein Spezialist gesagt, gibt es noch 57 Signale die Google berücksichtigt — von der Art des Computers über den Browser, den man benutzt bis zum eigenen Standort — die benutzt werden um die Ergebnisse zu personalisieren. Denken sie mal drüber nach: es gibt kein Standard-Google mehr. Und das komische daran ist, dass es kaum sichtbar ist. Man sieht nicht, wie unterschiedlich die eigenen Suchtreffer von denen der anderen sind.

 

2:42
Aber vor ein paar Wochen habe ich ein paar Freunde gebeten, "Ägypten" zu googlen und mir Screenshots der Ergebnisse zu schicken. Hier ist der Screenshot meines Freundes Scott. Und hier ist der von meinem Freund Daniel. Wenn man sie nebeneinander stellt, muss man noch nicht mal die Links lesen um zu sehen, wie unterschiedlich die beiden Seiten sind. Aber wenn man die Links liest, ist es schon bemerkenswert. Daniel hat auf seiner ersten Trefferseite überhaupt nichts über die Proteste in Ägypten bekommen. Scott's Ergebnisse waren voll davon. Und das war zu dieser Zeit die Nachricht des Tages. So unterschiedlich werden die Ergebnisse jetzt.

 

3:21
Und es geht nicht nur um Google und Facebook. Das ist etwas, das das ganze Internet durchzieht. Es gibt eine ganze Menge Firmen, die diese Art von Personalisierung machen. Yahoo News, die größte Nachrichtenseite im Internet, ist schon personalisiert — verschiedene Menschen bekommen verschiedene Dinge. Huffington Post, die Washington Post, die New York Times — sie flirten alle irgendwie mit Personalisierung. Und das bringt uns sehr schnell zu einer Welt in der das Internet uns das zeigt, wovon es denkt, dass wir es sehen wollen, aber nicht zwangsläufig, was wir sehen sollten. Eric Schmidt hat gesagt, "Es wird für die Menschen schwierig werden, etwas zu sehen oder zu konsumieren, das nicht in irgendeiner Weise auf sie zugeschnitten ist."

 

4:05
Und ich glaube, dass das ein Problem ist. Ich glaube, wenn man all diese Filter zusammen nimmt, all diese Algorithmen, dann bekommt man, was ich eine "Filterblase" nenne. Ihre Filterblase ist Ihr ganz persönliches einzigartiges Informationsuniversum, in dem Sie online leben. Und was in Ihrer Filterblase ist, hängt davon ab, wer Sie sind und was Sie tun. Aber Sie bestimmen nicht, was hineinkommt. Und, noch wichtiger, Sie sehen nie, was aussortiert wird. Eines der Probleme der Filterblase wurde von Forschern bei Netflix entdeckt. Sie schauten sich die Film-Bestelllisten dort an, und ihnen fiel etwas komisches auf, das wohl schon viele von uns kennen, nämlich dass manche Filme sofort nach oben auf die Liste kommen und ab zu uns nach Hause. Sie kommen neu oben auf die Liste, und sofort geht es los. "Iron Man" geht sofort raus, und bei "Waiting for Superman" kann es ziemlich lange dauern.

 

5:02
Was sie herausgefunden haben ist, dass in unseren Netflix-Wartelisten ein epischer Kampf stattfindet — zwischen unserem zukünftigen, anspruchsvolleren Ich und unserem impulsiveren, gegenwärtigen Ich. Sie wissen ja, wir möchten alle jemand sein der "Rashomon" gesehen hat, aber jetzt gerade wollen wir "Ace Ventura" zum vierten Mal anschauen. (Gelächter) Die beste Zusammenstellung für uns wäre von allem etwas. Ein kleines bißchen Justin Bieber und ein kleines bißchen Afghanistan. Etwas Informations-Gemüse, und ein wenig Informations-Nachtisch. Und die Herausforderung für algorithmische Filter, diese personalisierten Filter, ist, dass sie diese Balance umkippen, weil sie vor allem danach gehen, worauf man zuerst klickt. Und statt einer ausgewogenen Informationsdiät findet man sich am Ende inmitten von Informations-Junk Food wieder.

 

5:59
Was das heißen könnte ist, dass wir die Sache mit dem Internet vielleicht falsch verstanden haben. In einer Sendergesellschaft — so geht der Gründungsmythos — in einer Sendergesellschaft gab es Torwächter, die Redakteure, die den Informationsfluss kontrolliert haben. Und dann kam das Internet und hat sie aus dem Weg gefegt, und uns allen ermöglicht, uns miteinander zu verbinden, und es war wunderbar. Aber das ist nicht, was gerade passiert. Was wir erleben ist eher eine Übergabe der Fackel von menschlichen Torwächtern an die Algorithmen. Nur dass den Algorithmen noch keine Ethik eingebaut wurde, wie sie die Redakteure haben. Wenn also Algorithmen die Welt für uns kuratieren, wenn sie entscheiden, was wir zu sehen bekommen und was nicht, dann müssen wir sicherstellen, dass sie nicht nur nach Relevanz auswählen. Wir müssen garantieren, dass sie uns auch Dinge zeigen, die unbequem oder herausfordernd oder wichtig sind — so wie das TED tut — andere Sichtweisen.

 

7:03
Und an diesem Punkt waren wir ja schon einmal, als Gesellschaft. Im Jahre 1915 haben sich die Zeitungen nicht gerade verausgabt um ihrer bürgerlichen Verantwortung nachzukommen. Dann hat man bemerkt dass sie eine sehr wichtige Funktion hatten. Dass eine funktionierende Demokratie gar nicht möglich war ohne einen guten Informationsfluss für die Bürger. Dass die Zeitungen mit ihrer Filterwirkung von entscheidender Bedeutung waren — und dann entwickelte sich eine journalistische Ethik. Die war nicht perfekt, aber sie hat uns durch das letzte Jahrhundert gebracht. Und jetzt sind wir mit dem Internet wieder im Jahr 1915. Und die neuen Torwächter müssen in den Code, den sie schreiben, diese Verantwortung für uns mit einbauen.

 

7:51
Ich weiß, dass hier viele Leute von Facebook und von Google sind — Larry und Sergey — Leute, die das Netz in seiner heutigen Form mitgebaut haben, und dafür bin ich dankbar. Aber wir müssen wirklich sicherstellen, dass diese Algorithmen einen Sinn für öffentliches Leben, für bürgerliche Verantwortung einprogrammiert haben. Wir müssen dafür sorgen, dass sie transparent genug sind, so dass wir die Regeln sehen können, die bestimmen, was durch unsere Filter kommt. Und Ihr müsst uns Kontrolle darüber geben, so dass wir entscheiden können was durchkommen soll und was nicht. Denn ich glaube dass wir das Internet wirklich so brauchen wie wir es uns erträumt haben. Es soll uns alle miteinander verbinden. Es soll uns an neue Ideen heranführen und an neue Leute und fremde Perspektiven. Und das wird nicht geschehen, wenn wir alle isoliert werden, in einem vereinzelten Netz.

 

8:45
Danke.

 

8:47
(Applaus)